Reisebericht: Das war Israel 2010

Das ist mal ein internationaler Jugendaustausch!

So fing alles an September 2007. Planungswochenende der Falken Leipzig. Zum ersten Mal überhaupt treffen sich die Leipziger Falken übers Wochenende und überlegen, was wir im kommenden Jahr so alles machen wollen. Dort entstand die Idee eines Austausches mit einer israelischen Partnerorganisation. Dank der Hilfe der Hannoveraner Falken, die seit über 20 Jahre im Austausch mit der HaShomer HaTzair stehen, fanden wir in der sozialistischen, zionistischen Organisation eine Partnerin. Dank Bundesbüro, Jugendamt und einiger Geldverdien-Aktivitäten stand auch irgendwann die Finanzierung der Reise. Ein Jahr später war es dann soweit, im Oktober 2008 flogen 15 Leipziger Falken zwei Wochen lang nach Israel. Wir hatten großen Spaß bei der Vorbereitung der Reise. Das gemeinsame Arbeiten an diesem Projekt schweißte die Leipziger Falken richtig zusammen. Von diesem ersten Besuch brachten wir viele neue Ideen mit nach Leipzig. (Mehr steht im Reisebericht von damals.)

in JaffaNach diesem ersten Besuch haben wir überlegt, wie wir den Austausch fortsetzen wollen. Beide Organisationen, die Falken und die HaShomer HaTzair, suchen im Austausch Motivation für die Aktiven und Anregungen für ihre Arbeit. Unser Ziel war es, in Israel und in Sachsen Gruppen von Schmutzniks (so nennen sich die Mitglieder der HaShomer) und Falken zu finden, die gut zueinander passen, die sich also persönlich nahe kommen und eine ähnliche Situation in ihren Gruppen haben.

Bis jetzt sieht es so aus, als ob dieser Plan funktioniert. Dieses Jahr geht der Austausch nämlich in eine neue Runde. Anfang April waren 15 Falken aus Leipzig und Dresden wieder zu Besuch in Israel.

Aber hier ist erstmal der Bericht. So war’s in Israel bei unserem Besuch im April 2010:


Am Nachmittag des 31. März 2010 haben wir (15 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 17 bis 32 Jahren) uns am Leipziger Hauptbahnhof getroffen, um gemeinsam an einem 14-tägigen Israelaustausch teilzunehmen. Mit dem Zug, von Leipzig aus, ging es über Dresden zunächst zum Prager Flughafen. Von dort aus flogen wir am Abend nach Tel Aviv.

Eine Bahnfahrt nach Prag und von Prag aus zu fliegen, war einfach billiger als direkt von Leipzig oder von Berlin aus zu fliegen. Wir wollten die Kosten für den Austausch möglichst niedrig halten. Dann ist der Teilnahmebeitrag nicht so hoch und alle können unabhängig vom eigenen oder dem Geldbeutel der Eltern mitkommen. Wir haben einen Staffelpreis für den Teilnahmebeitrag beschlossen, und die Mitfahrer_innen haben zwischen 250 und 500 Euro bezahlt.

Ankunft am Flughafen in Tel Aviv

Am Donnerstag, den 1. April, kamen wir am Morgen am Ben Gurion Airport, Tel Aviv, etwas übernächtigt an. Vor Ort holten uns Yael und Liana von der HaShomer HaTzair, unserer Partnerorganisation, ab und wir fuhren dann alle gemeinsam mit dem Bus nach Gan Shmuel, wo wir bis Mittag unseren Schlaf nachholten. Als wir am Nachmittag dann etwas gegessen hatten, starteten wir mit einem Kennenlernen zwischen uns und den Leuten von der HaShomer HaTzair. Als wir dann alle unsere Namen kannten oder zumindest wussten, mit wem wir in einem Haus schlafen, stellten wir uns gegenseitig unsere zwei Verbände vor. Noch vor dem Abendessen schauten wir uns den Kibbuz an und bekamen die Bildungsarbeit der HaShomer HaTzair vorgestellt. Am Abend machten wir dann unsere Tagesauswertung und die HaShomer HaTzair hatte für uns einen kulturellen Abend vorbereitet.

Yael und Liana haben uns später erzählt, dass sie am Anfang genauso aufgeregt waren wie wir. Weil sie aber Einige von uns aber noch vom letzten Besuch kannten, lockerte sich die Stimmung sehr schnell. Wir haben von Anfang an miteinander lachen können und uns wohlgefühlt.

Wir schliefen nicht etwa in Jugendherbergen, sondern in den Kommunen und Kibbuzim unserer Partnerorganisation. Das war natürlich gut, weil wir nichts bezahlen mussten. Es war aber auch toll, weil wir in jeder Hinsicht nahe mit unseren israelischen Freundinnen und Freunden waren. Das Essen kauften wir im Supermarkt und kochten alle gemeinsam in den Küchen der Kommunen und Kibbuzim.

Hm. Lecker Essen!

Gan Schmuel ist ein recht wohlhabender Kibbuz. Dort ist der Sozialismus im Kleinen noch in Ordnung, weil der Kibbuz mit einer Orangenplantage und einer Saftfabrik wirtschaftlich sehr erfolgreich ist und sich viele Wohltaten für die Kibbuzniki leisten kann. Die Leute, bei denen wir direkt zu Gast waren, waren um die 24 Jahre alt und arbeiteten im Kibbuz und in der Nachbarschaft als Madrichim, also als Gruppenhelfer_innen. Das war natürlich sehr spannend, weil das auch viele aus der Leipziger Gruppe machen und sich uns einige persönliche und politische Fragen deswegen ganz ähnlich stellen. Auf der Terrasse haben wir dann nach dem offiziellen Seminar herzlich gelacht und lange gesprochen.

Rundgang im Kibbuz

Am Freitag, den 2. April, starteten wir im Vormittagspart mit einer Einführung in die Erinnerungskultur und redeten danach über die Wahrnehmung des Holocaust in Deutschland und Israel. Nach dem Mittag ging es dann weiter mit einem Workshop zum Thema Erinnerungspolitik und die Möglichkeiten unserer Bildungsarbeit in diesem Bereich. Am Abend nahmen wir am traditionellem Kabbalat Schabbat teil, quasi die Begrüßung des kommenden Feiertags, und machten danach unsere abendliche Auswertungsrunde.

Eine Auswertungsrunde machten wir jeden Abend. Dafür war ein Orgateam von drei Leuten zuständig, die sich den Tag über passende Fragen und Methoden überlegten. Eine Fahrt in den Nahen Osten und zwei Wochen lang auf engstem Raum miteinander zu sein, bringt ja auch Stress und diverse Gefühlsschwankungen mit sich. Das sollte alles bei der Auswertungsrunde besprochen werden. Rückblickend betrachtet hat das auch sehr gut geklappt, ein kleiner Gruppenkoller zwischendurch konnte gut geklärt werden, und wir sind mit bester Laune und ohne größere Streitigkeiten zurückgekommen.

Die Auswertungsrunde war übrigens der einzige offizielle Teil des Programms, der auf Deutsch stattgefunden hat. Ansonsten war unsere gemeinsame Sprache Englisch, und wir haben gelegentlich auf Hebräisch oder Deutsch übersetzt, wenn Leute nicht mehr folgen konnten. (Dafür haben wir Zeichen ausgemacht: Wer eine Übersetzung auf Deutsch wollte, hat eine Elefantengeste gemacht, für Hebräisch waren’s Hasenohren.) Damit Yael und Liana wussten, was wir bei der Auswertungsrunde besprechen, haben wir ihnen alles parallel flüsternd übersetzt. Das hat super funktioniert, weil sich auch hier ein paar Leute abgewechselt haben.

Wanderung in der Wüste

Samstag, der 3. April, war ein körperlich aktiver Tag. Früh am Morgen fuhren wir mit dem Bus in die Wüste Ein Gedi. Nach einer etwas längeren Busfahrt starteten wir dann unseren Wüstenhike im Naturschutzgebiet. Nach unserer halbtägigen Wanderung war unser Ziel das Tote Meer. Dort gingen wir baden, machten unsere Tagesauswertung und schliefen unter offenem Himmel direkt am Meer.

eine Pause - im Schatten!

Kleinere und größere Wanderungen sind eine Spezialität der HaShomer HaTzair, deren historische Wurzeln in der Pfadfinderbewegung wir hier ganz deutlich sehen konnten. Wir haben also nicht nur eine einmalig schöne Wüstenlandschaft gesehen, sondern konnten bei wirklich tollen Erklärungen von Amir auch erfahren, wie diese Landschaft entstanden ist. Er hatte dazu Schaubilder gebastelt, die sich ganz ähnlich wie diese Klapp-Kinderbücher effekthaft bewegen ließen. Das Abendessen haben wir auf einem offenen Feuer gekocht, wofür wir vorher noch Holz sammeln waren. Und neben dem Essen mussten wir natürlich auch unser Trinkwasser (literweise!) selber tragen.

Schaubilder mit Geo-Wissen

Zum Toten Meer sind wir ausgerechnet am Feiertag gewandert, so dass halb Israel vor Ort war. Familien und Freundeskreise, Pärchen und Jugendgruppen campten nebeneinander, grillten und feierten bis spät in die Nacht und schon früh am Morgen weiter. Zu einer ordentlichen Grillausrüstung gehörte natürlich auch ein Notstromaggregat, das den Halogenscheinwerfer, den Elektrogrill und die Musikanlage versorgte. Zum Glück war genug Platz für alle und die Menschen allesamt sehr nett, so dass sich der Nerv in Grenzen hielt und wir einen schönen Einblick in eine israelische Feiertradition bekamen. Alkohol hatte übrigens so gut wie niemand dabei, und auch an der nahen Tanke gab es keinen zu kaufen.

Und das mit dem Toten Meer stimmt wirklich, das ist schon ein sehr cooler Effekt.

Am Sonntag, den 4. April, wurden wir Vormittags mit dem Bus nach Tel Aviv-Jaffa gefahren und machten dort am Nachmittag eine Stadtführung. Am Abend nahmen wir am traditionellem Seder mit der Hashomer-Kommune in Azur teil. Ebenfalls zeigten wir der HaShomer HaTzair, wie das traditionelle Ostern bei uns abläuft, indem wir kleine Süßigkeiten versteckten und diese gesucht wurden. Anschließend fand unsere Tagesauswertung statt.

Auf der Fahrt vom Toten Meer nach Jerusalem sahen wir mehrere Beduinensiedlungen und waren geschockt von der Armut und den Zuständen, in denen die Menschen dort leben müssen. Die Siedlungen werden nicht staatlich anerkannt und daher auch nicht versorgt und geschützt.

israelische Siedlung im Westjordanland

Ein Teil der Strecke ging außerdem durch das besetzte Westjordanland. Wir mussten Grenzposten passieren und sahen Teile der Sperranlagen und viele, teils riesige israelische Siedlungen. Die HaShomer sieht die Siedlungen im Westjordanland als ein Hindernis für den Friedensprozess, hat keine Gliederungen in den besetzten Gebieten und unternimmt dort beispielsweise auch keine Hikes oder anderen Aktivitäten. An dieser Stelle soll aber der Hinweis genügen, dass wir uns mit unserer Partnerorganisation sehr intensiv und gut mit diesen Fragen beschäftigt haben.

Seder in der Kommune

Das Seder-Essen ist eine jüdische Tradition mit einem rituellen Ablauf. Wir hatten das Seder in einer Kommune der HaShomer in Azur nahe von Tel Aviv. Die Mitglieder einer anderen Kommune kamen noch dazu, so dass wir richtig viele Menschen waren. Die HaShomer begeht das Seder nicht nach den strengen religiösen Regeln, sondern interpretiert diese und stellt eigene Werte in den Vordergrund. Dieses Jahr war das Oberthema „Freiheit“, und es wurden zwischendurch statt der religiösen Lieder zum Thema passende Lieder auf der Gitarre gespielt.
Unsere zu Ostern versteckten Süßigkeiten wurden übrigens noch Wochen später in der Kommune gefunden.

Freizeit in Tel Aviv

Am Montag, den 5. April, starten wir den Vormittag mit einem sehr interessantem Workshop zum Thema „sozialistischer Zionismus“ und redeten im Anschluss darüber, wie zeitgemäß die Ideale unserer Verbände noch sind. Nach dem Mittag gab es einen Freizeitpart in Tel Aviv-Jaffa, den verschiedene Kleingruppen unterschiedlich genossen haben. Noch am Abend fuhren wir in eine Kommune nach Jerusalem, machten dort unsere Tagesauswertung und lernten die neuen Leute vor Ort bei gemütlichen Abendgesprächen kennen.

Blick auf Tel Aviv

Unsere Partnerorganisation ist sozialistisch und zionistisch. Für uns ist die Auseinandersetzung, darum, was „sozialistisch“ für uns bedeutet, schon schwierig genug, aber hier konnten wir von Anfang an mitreden, weil wir ja die gleiche Debatte bei den Falken führen. Beim Thema „Zionismus“ ist das schon schwieriger, den Debatten zu folgen. Deswegen war dieser Workshop geradezu großartig für uns; wir hatten das Gefühl, den sozialistischen Zionismus jetzt verstanden zu haben. Dafür haben wir gerne alle zusammen auf einen Teil unserer Freizeit in Tel Aviv verzichtet und haben einfach länger Seminar gemacht.
In unserem Programm wechselten sich Seminarteile und Freizeit miteinander ab. In der Freizeit haben wir beispielsweise Sehenswürdigkeiten besucht oder in den Kommunen rumgehangen und gequatscht. In Tel Aviv waren viele von uns im Mittelmeer baden.

Baden im Mittelmeer

In Jerusalem wurden wir in einer Kommune von 19jährigen Schmutzniks mit offenen Armen empfangen. Sie hatten schon Essen gekauft und Kennenlernspiele vorbereitet. Am nächsten Morgen waren Einige dann auch ganz schön müde, weil sie bis spät in die Nacht gequatscht haben.

Am Dienstag, den 6. April, besuchten wir am Vormittag das Willy-Brandt-Zentrum und bekamen dort eine Vorstellung des Projektes der Regionalgruppe Middle East der IFM-SEI. Am Nachmittag besuchten wir den HaShomer-Verband in Jerusalem. Dieser wurde uns vorgestellt und wir diskutierten über die Ansätze unserer Gruppenarbeit (HaShomer HaTzair und Falken) mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor Ort. Der Abendpart fand ebenfalls in diesem Hashomer-Verband statt. Wir stellten uns gegenseitig unsere Verbände vor und redeten über die Strategien der Verbandsorganisation und des Verbandsaufbaus. Im Anschluss fand unsere Tagesauswertung statt.

Die Falken haben nicht nur in Israel mehrere Partnerorganisationen, sondern auch in den Palästinensischen Gebieten und in vielen, vielen Ländern. Mit unseren Partnerorganisationen sind wir im International Falcon Movement – Socialist Educational International (IFM-SEI) zusammengeschlossen. Die Regionalgruppe Middle East (deutsch: Naher Osten) der IFM-SEI organisiert ein gemeinsames Bildungsprojekt mit allen israelischen und palästinensischen Partnerinnen und Partnern. Das ist natürlich nicht immer einfach, aber sie kommen gut voran. Im Kern geht es darum, gemeinsame Positionen zu finden, belastbare persönliche Beziehungen aufzubauen und die Bildungsarbeit in den Verbänden in eine für alle Seiten gewinnbringende Richtung zu bewegen.

Die Klagemauer

Am Mittwoch, den 7. April, besuchten wir die Friedrich-Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem. Dort hielt man uns einen Vortrag zur Lage in den palästinensischen Autonomiegebieten. Am Nachmittag bekamen wir eine Stadtführung durch die Altstadt von Jerusalem. Und am Abend bereiteten wir uns auf den Besuch am nächsten Tag in Yad Vashem vor. Danach folgte die Tagesauswertung.

Wegweiser zur FES OstjerusalemEigentlich wollten wir – wie schon 2008 – auch unsere Partnerorganisation in Palästina, die Independence Youth Union, besuchen. Das hat aber leider nicht geklappt. Um aber zumindest eine palästinensische Perspektive zu haben, sind wir als Ersatz zum Besuch wenigstens zur Friedrich-Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem gegangen. Im Vortrag ging’s – vereinfacht gesagt – um die schwierige Situation der Besatzung im Westjordanland und die schlechten Voraussetzungen für die palästinensische Selbstverwaltung.
Ein Grundsatz für unsere Partnerschaft mit israelischen und palästinensischen Organisationen ist übrigens die „Doppelte Solidarität“ mit den Menschen im Nahen Osten. Macht ja auch Sinn.

Am Donnerstag, den 8. April, bekamen wir am Vormittag eine Führung durch Yad Vashem. Aufgrund des nahe gehenden Themas reflektierten wir danach den Besuch in dieser Gedenkstätte. Am späten Nachmittag fuhren wir dann zum Kibbuz Ein Hahoresh und führten dort unsere Tagesauswertung am Abend durch.

Yad Vashem

Yad Vashem ist die nationale Holocaust-Gedenkstätte des Staates Israel mit Forschungszentrum, einem umfangreichen Bildungsprogramm und einem sehr gutem Museum. Es bietet eine zionistische Interpretation, was auch architektonisch sehr durchdacht präsentiert wird. Wir hatten (anders als beim letzten Besuch) eine sehr gute Führung durch einen Mitarbeiter, der auch die HaShomer und die Falken kannte und sich in seinen Erklärungen sehr gut auf uns eingestellt hat.

Julia und Yaara aus Gan Shmuel und Yael kamen Abends mit uns zum Kibbuz Ein Hahoresh. Julia und Yaara sind die Gruppenhelferinnen der Gruppe von 16jährigen im dortigen Verband (Ken Mayaan), die uns im Oktober in Leipzig und Dresden besuchen kommen. Wir alle waren also sehr gespannt, wie das Kennenlernen am nächsten Tag laufen wird.

Am Freitag, den 9. April, lernten wir unsere Austausch-Jugendgruppe mit Hilfe von kleinen Spielen kennen. Anschließend bekamen wir eine Führung durch den Kibbuz. Ebenfalls wurde uns die Gruppenarbeit der HaShomer HaTzair vor Ort vorgestellt. Am Nachmittag machten wir einen Workshop zum Thema Gruppe. Die Jugendlichen erzählten uns außerdem etwas über die Grundsätze und Pädagogik der Gruppenarbeit. Am Abend spielten wir Volleyball, machten unsere tägliche Auswertung und spielten Schnipseljagd.

Volleyballspielen im Kibbuz

Nun hatten wir also alle Israelis kennengelernt, die uns im Oktober besuchen kommen. Wir sind von Anfang an gut miteinander klargekommen, sie haben uns in ihrem Kibbuz herumgeführt. Am besten war aber eine Matratzenschlacht.

Wir wollen den Austausch im Oktober mit unseren Rofa-Gruppen in Leipzig und Dresden machen (Rofa = Rote Falken = Teenies). Die sind genauso alt wie die Israelis und werden sich vermutlich auch gut verstehen. Wenn alles so läuft, wie wir uns das wünschen, können sie dann Anfang des kommenden Jahres nach Israel fahren. Und sind dann genauso mitgerissen wie wir und haben große Lust auf Falkenarbeit …

Was ist denn das für ein komisches Obst?

Am Samstag, den 10. April, machten wir einen Workshop zum Thema „Die Rolle der Helfer_innen/Leiter_innen in Gruppen“ und beschäftigten uns mit der Erziehung zur Rebellion. Am Nachmittag ging es um das Thema Jugend und den Einfluss von Jugendbewegungen auf die Gesellschaft. Nach unserer abendlichen Tagesauswertung mussten wir uns leider schon von den Jugendlichen verabschieden und fuhren mit dem Bus wieder an unser allererstes Ziel, nach Gan Shmuel.

Obst

Und da waren wir wieder in Gan Shmuel in der Kommune. Die Leute dort begrüßten uns wie gute, alte Freundinnen und Freunde, die nach langer Reise endlich wiederkehren. Wir hatten eine gute Zeit, und wir kamen auch über Dinge ins Gespräch, über die mensch sonst nur mit guten Freundinnen und Freunden spricht. Beispielsweise unterhielten sich die Leute auch über ihre Zweifel, ob es richtig ist, so viel Zeit und Kraft in die Falkenarbeit oder die Arbeit bei der HaShomer reinzustecken, und … aber das gehört nicht hierher.

Bei der HaShomer HaTzair herrscht in den Gruppen ein strenges Alkoholverbot für alle vor dem Militärdienst. Wer sich nicht daran hält und sich beispielsweise bei einer Party im HaShomer-Haus oder auf einem Hike erwischen lässt, wird nach Hause geschickt. Für uns galt diese Regel auch, solange wir bei diesen jüngeren Gruppen waren. Das haben wir vorher geklärt und uns dran gehalten. In Gan Shmuel konnten wir dann am Abend mit den Leuten dort anstoßen.
Wenn uns die jüngeren Israelis im Oktober besuchen, wird’s nochmal spannend, wie wir mit dieser Regel umgehen wollen. Nach unseren Gesetzen und Regeln dürfen sie nämlich trinken.

Am Sonntag, den 11. April, kam dann schon ein wenig Abschiedsstimmung auf. Am Vormittag machten wir eine Ideensammlung und Projektplanung. Es ging um den Transfer faszinierender Ideen nach Leipzig. Diese einzelnen Vorschläge wurden in Kleingruppen bearbeitet, um dann in Leipzig daran weiter zu arbeiten. Am Nachmittag machten wir eine große Gesamtauswertung des Israelaustausches. Und am späten Nachmittag konnte dann, wer wollte, an der Zeremonie des Kibbuz‘ zur Erinnerung an den Holocaust teilnehmen. Am Abend fand dann, von der HaShomer HaTzair organisiert, eine Abschlussparty statt.

Der Besuch bei der HaShomer war wieder sehr faszinierend, und wir haben viele tolle Anregungen aufgeschnappt, die wir für unsere Arbeit in Leipzig nutzen wollen. Eine größere Gruppe von Leuten ist gerade dabei, für einen Monat „auf Probe“ als Kommune zusammenzuleben. Wenn das gut klappt, wird’s vielleicht eine dauerhafte Einrichtung. Eine andere Gruppe plant einen Hike – auf diese Idee wären wir ohne das schöne Erlebnis in der Wüste Ein Geidi sicher nicht gekommen..Unsere Rofas werden im Sommer beim Camp mit ihrer Vorbereitung auf den Austausch beginnen. Und ein Treffen aller Gruppenhelfer_innen mit gegenseitiger Unterstützung haben wir uns auch von der HaShomer abgeguckt.

in Yad MordechaiMontag, der 12. April, war ein bedeutsamer Tag in Israel, Yom HaShoa, der nationale Holocaust-Gedenktag. Am Morgen fuhren wir mit dem Bus nach Yad Mordechai. Auf dem Weg dahin hielten wir ca. 9:45 an einer Tankstelle an, weil um 10:00 Uhr eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des Holocaust stattfand. Als wir dann in Yad Mordechai ankamen, nahmen wir an einer Führung im Museum des Kibbuz‘ teil. Am Nachmittag diskutierten wir über den Warschauer Gettoaufstand und die Erinnerungskultur daran. Im Anschluss daran fand die zentrale Zeremonie der HaShomer HaTzair zum Yom HaShoa statt. Am Abend fuhren wir nach Azur und machten dort unsere Tagesauswertung.

Zur Schweigeminute um 10:00 Uhr gingen überall Sirenen los, alle Autos hielten an (auch auf der Autobahn, die wir sehen konnten), alle Menschen standen auf, blickten zu Boden und hielten eine ganze Minute lang inne. Nach diesem Erlebnis verstanden wir, was unsere israelischen Freundinnen und Freunde meinten, es gäbe keinen Zeitpunkt, an den sie sich erinnern könnten, zu dem sie erstmals vom Holocaust erfahren haben, sie hätten es schon immer gewusst.
Das „Ghetto Fighter Museum“ hatte einen ganz anderen Schwerpunkt als die Ausstellung in Yad Vashem und eine durchaus streitbare Interpretation des Zusammenhangs zwischen dem Warschauer Gettoaufstand und dem israelisch-arabischen Krieg nach der Staatsgründung Israels.

Am Dienstag, den 13. April, standen wir sehr früh auf, um zum Flughafen zu fahren. Wir flogen Vormittags von Tel-Aviv nach Prag. Und am Nachmittag fuhren wir dann über Dresden nach Leipzig mit dem Zug zurück und wurden mit Schildern von den Falken abgeholt, die in Leipzig geblieben waren.

Dieser Rucksack will wieder nach Israel!

Wie es sich gehört, wurde am Vorabend der Abreise von der Delegationsleitung kontrolliert, ob alle ihren Reisepass noch haben, damit wir zusammen ausreisen können. Und, naja, welcher fehlte? Richtig, von einer der beiden Delegationsleiter_innen. Der hatte also noch einen zusätzlich Tag in Tel Aviv gewonnen und durfte die Deutsche Botschaft und die israelische Polizei besser kennenlernen.

Text: Tina, Toe; alle Bilder: Falken Leipzig

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5 Antworten auf “Reisebericht: Das war Israel 2010”


  1. 1 Wiebke 04. Juli 2010 um 15:49 Uhr

    Na, der Reisepass ist ja dann auch wieder aufgetaucht (zum Glück)
    Und ich freue mich auch schon auf die Israelis bei uns. Ich würde gerne wissen, wer von den Madrichim mitkommt: Yael oder Julia oder Yaraa? Oder alle drei?

  2. 2 Stefan 04. Juli 2010 um 23:50 Uhr

    Wenn ich den Bericht so lese und die Bilder anschaue, finde ich es noch viel doofer, dass ich nicht mitkommen konnte… Ein sehr schöner Bericht!

  3. 3 jürgen thiel (Bartfalke aus Hamburg) 16. Juli 2010 um 21:56 Uhr

    super Bericht über eure Fahrt nach Israel, macht weiter so

    Freundschaft
    Jürgen

  1. 1 Leben in der Falkenkommune « Falken L.E. Pingback am 11. Oktober 2010 um 10:36 Uhr
  2. 2 Leben in der Falkenkommune / Living in the Falcon commune « Falken Sachsen Pingback am 26. Dezember 2010 um 16:36 Uhr
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