Leben in der Falkenkommune / Living in the Falcon commune

Steg in der Falken-Kommune

Update Oct 20th, 2010: There is an English translation.
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Es ist vorbei, nach drei SommerSonneWochen spannendem, und nicht ganz üblichem Zusammenleben, haben wir in geselliger Runde den letzten Abend in der Falkenkommune verbracht. Drei Wochen zusammen in einem Raum leben, verschiedene Lebenskonzepte nebeneinander und vor allem miteinander.


Die Kommune war bald gefunden, in einer ehemaligen Fabrik im Leipziger Westen konnten wir das gepachtete Gelände einer befreundeten Künstlerin nutzen. Unsere Kommune lag in einem großen Innenhof, weitere Menschen wohnten gleich nebenan. Und wussten auch dass wir für einige Wochen „in der Fabrik“ wohnen würden. Gleich am ersten Tag wurden wir auf dem Hof angesprochen, ob wir diese Pfadfinder seien, die jetzt hier wohnen würden. Schnell haben wir den Unterschied zwischen Falken und Pfadis deutlich gemacht und einige Kontakte mit anderen Menschen aus der Fabrik geknüpft. Unsere Wohnung bestand zum einen aus einem großen Schlafzimmer, in das gerade so unsere sechs Matratzen nebeneinander passten und wir noch eine kleine Bibliothek einrichteten, einem Wohn-/Abstellzimmer – das wir in den ersten Tage noch selbst renovierten und die Wände zu Ende bauten – und einer geräumigen Wohnküche, in der wir nur vegan und vegetarisch kochten, samt Steg am Fluss, die wir uns mit zwei anderen Menschen teilten. Das Bad war etwas gewöhnungsbedürftig, dafür hatte die Badewanne ihren ganz eigenen Charme.

Neben dem Leben in der Kommune wollten und mussten wir aber auch unser „normales“ Leben weiterführen, also zur Schule gehen, arbeiten, die Semesterferien genießen oder einfach der Erwerbslosigkeit fröhnen.

Nicht nur in unserer Hauptbeschäftigung zeigt sich die große Heterogenität der Kommunard_innen, so waren neben aktiven Falken und Falkinnen auch Freundinnen der Falken von der Idee so in den Bann gezogen, dass sie es sich nicht entgehen lassen konnten, an dem Projekt teilzuhaben.

Die Idee, diese Form des Zusammenlebens auszuprobieren, kam uns in Israel. Zwei Wochen lang waren wir unterwegs, schliefen in Kommunen und Kens. Die Art des Zusammenlebens in Kommunen in Israel hat uns beeindruckt. Auf kleinem Raum zusammen leben und arbeiten… Die Israelis hingegen waren immer wieder verwundert und fragten uns, wie mensch den Sozialismus im Alltag leben könne, wenn nicht in der Kommune oder im Kibbuz. Kurz, wir waren voller Neugierde und wollten selbst in einer Kommune leben.

So begannen wir uns in mehr oder weniger regelmäßige Abständen zu treffen und die Idee einer Falkenkommune voranzutreiben. Die erste Entscheidung, die wir trafen, war zunächst für einen begrenzten Zeitraum in einer Kommune zu leben. Nach drei-vier Wochen sollte für jede_n Einzelne_n klar sein, ob wir uns auch vorstellen können länger in einer Kommune leben zu können. Eine weitere sehr wichtige Frage, die wir nach dieser Zeit beantworten können wollten, war wie wir Sozialismus im Alltag leben können und wollen, welche alternativen Formen des Zusammenleben es gibt, außer bei Mama und Papa, in der WG oder eigenen Wohnung.
Die nächste Entscheidung war der Zeitraum, im Sommer, dann wenn auch die Student_innen unter uns genügend Zeit haben und das Wetter schön genug ist, nicht auf Heizung oder Ofen angewiesen zu sein, natürlich immer mit der Möglichkeit, draußen in der Sonne frühstücken zu können. ;)

Unser Alltag, das stellten wir schon relativ schnell fest, unterschied sich stark voneinander. Die gute Hälfte konnte ausschlafen, während die anderen schon auf Arbeit oder in der Schule waren. Einen großen und wichtigen Teil unseres gemeinsamen Alltages machte das gemeinsame Abendbrot aus. Selbstorganisiert wurden leckere Speisen gezaubert, bei Bier, Wein oder Mate beieinander gesessen und Geschichten über den vergangenen Tag ausgetauscht. Diese Stunden waren neben der Zeit, in der wir schliefen, der einzige Zeitpunkt an dem (fast) alle von uns da waren.
Die Zeit, um den ganzen oder halben Tag gemeinsam in der Kommune rumhängen zu können, wurde von vielen kleinen und großen Verpflichtungen außerhalb in Anspruch genommen. So gab es tatsächlich Momente, in denen wir uns im Minutentakt auf unseren Fahrrädern verpasst haben müssen und statt einer gut gefüllten Küche niemanden antrafen. Einen kleinen Einblick in unseren täglichen Alltag kannst du auch erhalten, wenn du die kurze Harry Potter Geschichte liest, die als Metapher unseres Zusammenleben in der ersten Woche gesehen werden kann.

Ein Tagesablauf in der ersten Woche à la Harry Potter

Severus ist die ganze Woche auf Reise, um einen geheimen Auftrag zu erfüllen, den niemand wirklich genau durchschaut. Hermine und Bill müssen jeden Morgen früh aufstehen, um in den Weiten des Muggelwissens nach der Erkenntnis zu suchen, um nachmittags ihre Misserfolge zu berichten. Nichtsdestotrotz quälen sie sich jeden Morgen heraus und erhaschen noch ein leises “tschühüss”, wenn sie doch aus Versehen über einen herausgestreckten Fuß aus dem Nachtlagerknäuel stolperten, weil sie es abends nicht geschafft hatten, ihre ganze Ausbildungsausrüstung zusammen zu klauben.
Nymphadora, Dobby, Luna und Xenophilius schafften es manchmal aufzustehen, bevor die Sonne den Zenit erreichte. Dann besuchten sie die heiligen Hängenden Gärten der Fabrik um dort ihrem Morgenmahl zu fröhnen. Danach wagten sie sich an die lebensnotwendigen Tätigkeiten wie Nahrungsbeschaffung oder Instandsetzung ihres Wohnraumes. Auf diesem Wege entstand ein Raum um die Gewänder der Kommunard_innen, Speis und Trank (eher letzteres) und Zelte aufzubewahren.
Dann begab es sich aber zu der Zeit, da die Sonne den Horizont küsste, und der gesamte Orden fand sich wieder zusammen um gemeinsam den Abend zu verbringen. Es wurde gegessen und getrunken, geraucht, gefeiert und gelacht, diskutiert, jedoch nie gestritten!

Der Tagesablauf des Ordens änderte sich danach jedoch…

Severus kehrte zurück von seiner Reise, jedoch verschwand kurz danach Xenophilius und ward nicht mehr gesehen. Abends misste der Orden unglückseligerweise einige seiner Mitglieder, die abendlichen Runden wurden kleiner und ruhiger, aber nie glich Eine der Anderen.

Wir waren also sehr schnell mittendrin, im Spannungsfeld des Zusammenlebens. Individuum vs. Kollektiv.
Ist es nun wichtiger, dass ich zum Abendessen pünktlich komme, oder soll ich nicht doch noch zu einer Freundin fahren?
Welche Bedürfnisse haben Vorrang? Die des einzelnen Menschen oder die der zusammenlebenden Menschen zusammen? Diese Frage wurde im praktischen Leben bei uns klar beantwortet: Individuum.

Im Rückblick und bei der Auswertung unserer Wochen in der Kommune bewerten wir diese Antwort unterschiedlich. Diese Frage ist für uns noch nicht abschließend geklärt, wir wollen in Zukunft noch weiter darüber reden, um einer Antwort näher zu kommen. Um in Zukunft, bei einer durchaus möglichen Weiterführung des Projektes als K2 (Kommune 2) besser auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingehen zu können.
Wie und wann wir dieses Projekt weiterführen wollen, ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist nur, dass alle Kommunard_innen diese Form des Zusammenleben sehr schätzen und in der Zukunft wieder in einer Kommune leben wollen. Wie genau diese Kommune aussehen soll, was für uns eine Kommune von einer normalen WG unterscheidet, ob gemeinsam eingekauft wird oder das gesamte Geld in einen Topf geschmissen wird, um dann zu entscheiden, wofür Geld ausgegeben wird oder nicht, wird noch diskutiert. Wir freuen uns auf Anregungen von außen und sind bestimmt bald wieder am Planen.

Diese drei Wochen in der Kommune waren eine intensive Zeit. Wir konnten nicht alle Fragen, die wir uns zu Beginn gestellt hatten, klären, haben dafür neue gestellt und sind einen Schritt weiter in der Frage, wie wir allein oder zusammen leben wollen.

Living in the Falcon commune

It’s over. We have spent our last social evening in the Falcon commune after three sunny summer weeks of exciting and not quite usual living together. Three weeks of living together in one room, different concepts of living next to another and, most of all, with another.

The commune rooms were soon found, we could use the leased premises of a friend artist in a former factory in a western part of Leipzig. Our commune was located within a large courtyard with more people living right next door. They also knew that we would stay „in the factory“ for a few weeks. Right on the first day we were asked, if we were those Scouts, who would now live here. It was an easy task to explain the differences of Falcons and Scouts while getting to know some more people from the factory. Our apartment consisted of a bedroom (big enough to fit our six mattresses and a small library that we put up here), a living/storage room (that we renovated during our first days by finishing a wall) and a large living room/kitchen (where we cooked vegan and vegetarian exclusively and which we shared with two other persons) including a terrace above the river. The bathroom took getting used to, but the bathtub had it’s very own style.

Besides living in the commune we wanted and had to continue our “regular” life, going to school or work, enjoy semester break or unemployment.

So, there were quite some differences in what people did most of their day. Also, some of us were active members of the Falcons, others were friends that were attracted by the idea and joined our project.

This idea of trying out this type of living together came to us in Israel. For two weeks we were visiting our friends of Hashomer Hatzair, travelling together, sleeping in communes and Kens. We were quite impressed with this way of living together in the Israeli communes. Working and living together in small space… Our Israeli friends were quite puzzled and asked us how one could live socialism in ones daily life if not in a commune or Kibbutz. In other words, we got very curious and wanted to live in a commune ourselves.

So we met more or less regularly to plan our idea of a Falcon commune. The first decision was to start by living in a commune for a short period of time. After three or four weeks everybody should know if they could imagine to live in a commune for a longer period of time. Another very important question that we wanted to answer within this test period was how we could and wanted to live socialism in our daily lives, what alternative ways of living together there are besides with mom and dad, in a flat share or in one’s own apartment.
The next decision was about the time. We opted for summer when the university students among us have more time and the weather is good enough not to need heating or oven and where we can have breakfast in the sun. ;-)

We noticed quickly that our daily lives were quite different. One half of us could sleep in while the others already had to go to school or work. An important part of our shared daily life was the common dinner. We prepared yummy food, sat together with beer, wine or mate and shared stories on our day. These hours were -except during the night- the only time of the day when (almost) everybody was there.
We didn’t have time to spend the whole day together. There were to many small and big duties outside to be taken care of. At times, we must have missed us by minutes on our bikes – instead of a kitchen full of people nobody was there anymore. You can also get a small insight into our daily lives by this short Harry Potter story which can be seen as a metaphor on our first week.

A daily schedule in the first week à la Harry Potter

Severus is travelling the entire week to fulfill some secret task nobody really understands. Hermine and Bill must get up early in the morning to search for knowledge within all the Muggle knowledge only to report their failures in the afternoon. Nonetheless, they forced themselves out of bed every single morning. While looking for their educational equipment they catch a shy “bye-bye” when they stumble over a leg coming out of the ball of sleeping people.

Nymphadora, Dobby, Luna and Xenophilius sometimes managed to get up before the sun reached its zenith. Then they visited the holy Hanging Gardens of the factory to indulge in their morning meal. Then they ventured to the vital activities such as buying food or repairing their home. This way, a room was created to store costumes, food and drinks (mostly the latter) and tents of the commune people.

Then came the time when the sun kissed the horizon, and the entire order came together to spend the evening. People ate, drank, smoked, laughed and celebrated, discussed, but never fought!

But the daily schedule of the order changed after that …

Severus returned from his trip, but Xenophilius disappeared shorty after and was not seen again. Unfortunately, in the evening the order was missing some of its members, the sessions became smaller and more peaceful, but not one was like another.

So we got into it quite fast, into the area of conflict of living together. Individual vs. Collective.
Is it important to be on time for dinner, or should I visit a friend yet?
What needs are more important? Those of the individual or those of all people living together? Practically, by our actions, this question was answered very clearly: individual.

Now, looking back and evaluating our weeks in the community, we judge this answer differently. There is no final answer yet, and there will be more discussions in the future coming closer to finding a shared answer to respond better to everybody’s needs in the possible continuation of this project as K2 (German: Kommune 2 / commune no. 2).

We haven’t decided yet how and when to continue this project. It’s clear for all of us that we like this way of living and want to live in a commune in the future, though. We are still discussing how the commune should look like, what the differences are compared to a regular shared flat, whether to buy stuff together and to put all money together and deciding together what to buy. We would be happy about suggestions and are determined to plan further quite soon.

These three weeks in the commune have been an intense time. We could not answer all questions that we had at the beginning, we have raised a few more questions and are now one step further in deciding how we want to live alone or together.

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